KOTWASSER BEIM PFERD

Kotwasser ist eine wässrige, teils unterschiedlich gefärbte und oftmals übelriechende Flüssigkeit, die aus dem After des Pferdes ausgeschieden wird. Dies kann vor, während oder unabhängig vom Kotabsatz geschehen und in Form eines kleinen Rinnsals oder sogar eines richtigen Schwalls geschehen. Die tägliche abgesetzte Kotwassermenge kann dabei zwischen ca. 250 ml bis ca. 1,5 Litern variieren.

Der restliche Kot dagegen wird meistens eine normale, tendenziell jedoch eher weiche Konsistenz aufweisen.

Grundsätzlich: Kotwasser und Durchfall sind nicht das gleiche.

Kotwasser allein gilt nicht als eigene Erkrankung, sondern nur als ein Symptom, dessen Ursache gefunden werden sollte.

Entstehung und Ursachen

Durch die Darmbewegung wird das Kotwasser nach außen transportiert – es rinnt, läuft oder spritzt. Auch wann dies passiert, ist unterschiedlich: das kann vor, während oder nach dem üblichen Kotabsatz sein.

Grundsätzlich ist eine gewisse Menge Flüssigkeit im Darm bei Pferden ein biologischer Standard im Verdauungsprozess. Der Körper des Pferdes regelt seinen Wasserhaushalt dabei üblicherweise durch die Rückresorbierung des Wassers aus dem Darm – vor allem im Ende des Dickdarmbereichs.

Das im Darm befindliche Wasser wird dann normalerweise in den Kot integriert, welcher dadurch seine mehr oder weniger weiche Konsistenz erhält. Bei einer wie auch immer ausgelösten Störung dieses Vorganges kommt es zu einer Trennung der beiden Komponenten:  geformte Kotballen und Flüssigkeit – und so zum Entstehen von Kotwasser.

Im Gegensatz zum Durchfall, wo beide Komponenten ineinandergreifen und durch Vermischung zu einem breiigen oder wässrigen Kotabsatz führen.

Das Verdauungssystem des Pferdes ist sehr sensibel und störanfällig.

Deshalb ist es wichtig herauszufinden, was dieses hochsensible System aus dem Gleichgewicht bringt – psychisch oder körperlich.

Eine oftmalige Ursache für Kotwasser ist Stress – z.B. vor, während oder nach einem Turnier.

Pferde zeigen in Stresssituationen gerne die Tendenz zu Kotwasser.

Auch haben Beobachtungen wiederholt gezeigt, dass sog. „Sozialstress“ bei einigen Pferden zu Kotwasser führen kann. Diese Form von Stress kommt z.B. eher bei rangniedrigeren Tieren im Verbund einer Gruppe oder Herde vor.

Mögliche weitere Stressfaktoren sind:

  • Neuzugänge in der Herde / Gruppe
  • Zu wenig Auslauf
  • Stallwechsel

Durch unzureichende Bewegung und Auslastung kommt auch der Darm des Pferdes nicht richtig „in Schwung“, Wasser sammelt sich im Darm an und wird möglicherweise dann in Form von Kotwasser nach außen transportiert

Weitere mögliche Ursachen für Kotwasser:

  • Medikamentenverabreichung – z.B. Antibiotika oder Schmerzmittel
  • Wurmbefall – Schädigung der Darmschleimhaut und Darmwände durch Wurmbisse etc.
  • Sand und evtl. Fremdkörper
  • Hormonstörungen

Ein evtl. Hinweis kann hierbei u.a. sein, wenn z.B. Stuten auffälliges Rossverhalten haben oder Hengste in ihrem „Hengstgebaren“ extrem sind

  • Gestörte Darmflora
  • Magengeschwüre / Magen -Darmprobleme
  • Zahn- und Kiefererkrankungen
  • Verstopfungen im Blinddarmbereich
  • Futterqualität – z.B. durch Bakterien oder Pilze

Kotwasser wird dabei möglicherweise vom Organismus als „Transportmittel“ verwendet, um diese Störfaktoren (Toxine etc.) herauszubefördern

  • Minderwertiges oder den Organismus belastendes Trinkwasser – z.B. Nitratwerte zu hoch, Fäulnisbakterien, Schwermetalle – z.B. in Wasser aus natürlichen Quellen und Bachläufen oder Brunnen

Folgen

Das einmalige und kurzfristige Auftreten von Kotwasser ist kein Grund zu großer Sorge.

Kotwasser hat erst nach längerem Anhalten problematische Folgen für das Pferd, denn der ständige Kontakt der mit dem herabrinnenden Kotwasser in Berührung kommenden, teils empfindlichen Körper- und Hautpartien (Schenkel, Hinterbeine – und Sprunggelenke sowie Schweif) können durch dieses stark gereizt werden. Dadurch kann es zu Hautentzündungen und schlecht heilenden Dermatitiden kommen.

Zudem kann der Wasser- und Nährstoffhaushalt des betroffenen Pferdes langfristig aus der Balance kommen.

Behandlung / Therapien

Über die möglichen Ursachen und Behandlungsansätze von wiederholt auftretendem Kotwasser gibt es unterschiedliche Theorien.

Wichtig ist, das Pferd, seine Umgebung und Gewohnheiten genau zu beobachten und bei wiederholtem Auftreten von Kotwasser den Tierarzt zu Rate zu ziehen.

Als erste Maßnahme empfiehlt es sich, den vom Kotwasser verschmutzten Bereich und den Schweif regelmäßig mit möglichst lauwarmem Wasser zu waschen – dies versteht sich aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen.

Dadurch werden evtl. offenen Hautstellen, möglichen Hautentzündungen und in Folge teils schwer zu behandelnden Dermatitiden vorgebeugt.

Behandlungsansatz – Stressvermeidung

Da Stress inzwischen als einer der Hauptauslöser für Kotwasser gilt, sollte man hier als erstes ansetzen. Dabei fällt dem sog. „Sozialstress“ eine nicht zu unterschätzende Rolle zu, welchem vor allem rangniedrigere Pferde in einer Herde und Gruppe durch belastende Interaktionen zu anderen Artgenossen ausgesetzt sein können.

Eventuell kann man hier eine neue Gruppenzusammenstellung der Pferde in Erwägung ziehen, um diesem Stressfaktor zukünftig entgegenzuwirken.

Auch sollte darüber nachgedacht werden, wie sich die Gesamtsituation für einzelne betroffene Tiere innerhalb ihrer Herde am ehesten entspannen lässt. Dabei kann der Focus darauf gelegt werden, Fressplätze so anzuordnen, dass sich die rangniedrigeren Pferde an diesen ungestörter aufhalten können. Auch die Ruheplätze sollten so ausgerichtet sein.

Behandlungsansatz – Futter / Futterqualität / Fütterungsgewohnheiten / Futterumstellung

Wurde das Tier bisher mit Silage oder Heulage gefüttert, sollte dies wenigstens vorübergehend oder auch dauerhaft eingestellt werden, denn der saure pH-Wert von Silage wird von Pferden, die zu Kotwasser neigen, nicht gut vertragen. Hier kann auf hochqualitatives Pferdeheu – möglichst in der „Blüte“ geschnitten, umgestellt werden.

Auch die Zufütterung bzw. der teilweise Heuersatz durch Heucobs kann bei einigen betroffenen Pferden Erfolg bringen.

Die Qualität des Raufutters sollte grundsätzlich gut sein und dadurch eine eventuelle Belastung durch Bakterien, Hefen oder Pilze vermieden werden. Auch das Stroh muss einem hohen Qualitätsstandard entsprechen und ein Ersatz desselben durch eine Alternativeinstreu überlegt werden.

Der höhere Ligningehalt von spät geschnittenem Heu kann für Kotwasserpatienten ein Problem sein. Auch Stroh weist oftmals einen erhöhten Gehalt von Lignin auf. Deshalb sollte möglichst nur Heu erster Güte auf dem Speiseplan stehen.

Die Umstellung von Futter immer vorsichtig und mit Bedacht vornehmen und auch nicht in häufigem Wechsel. Das An- und Abweiden muss langsam und mit entsprechender Geduld vonstattengehen, denn diese alljährliche Futterumstellung ist für das Verdauungssystem des Pferdes immer wieder eine Herausforderung.

Auch eine übermäßige Aufnahme von Sand beim Fressen ist grundsätzlich nicht unproblematisch und kann auf Dauer nicht nur zu Koliken und anderen Verdauungsproblemen, sondern eben auch zu Kotwasser führen. Zuviel Sand kann zum Beispiel auf zu stark abgefressenen Weiden oder auch auf Sandpaddocks von den Pferden mit Gras und Heu aufgenommen werden.

Hier kann man als Halter selbst eine „Sandprobe“ des Kotes durchführen: man weicht ca. 6 frische Kotballen in genügend Wasser ein und überprüft nach deren vollständigem Auflösen den Sandabsatz auf dem Boden des Gefäßes: entspricht die Menge mehr als einem Eßlöffel, so ist das eindeutig zu viel.

Behandlungsansatz – Futterzusätze

Pektinreiche Futtermittel wie Bierhefe oder Zuckerrübenschnitzel werden immer wieder bei zu Kotwasser neigenden Pferden zugefüttert. Auch die Gabe von Lignozellulose kann Erfolg bringen, da sie zu starker Wasserbindung im Darm führt.

Kleie und Flohsamen gehören ebenfalls zu den Futterzusätzen, die Hilfe bei Kotwasser bringen können. Allerdings gehen sie nicht die Ursache des Problems an, sondern vermindern die Symptome, da sie zu vermehrter Wasserbindung im Darm der Tiere führen.

Vorsicht: ein übermäßiges und unkontrolliertes Zufüttern kann zu Verstopfungen und Reizungen des Darmes führen.

Auch die ausschließliche Darreichung des Raufutters in Heunetzen und Futterautomaten kann bei manchen Pferden ein möglicher Auslöser für die Entstehung von Kotwasser sein. Durch die verlangsamte Futteraufnahme kommen manche Tiere in zusätzlichen Stressmodus: sie wollen schneller fressen, können dies jedoch nicht.

Behandlungsansatz – Darmflora

Wie inzwischen ebenfalls weitläufig bekannt, gehört die Dysbiose (negative Verschiebung der natürlichen Darmflora) nicht zu den häufigen oder hauptsächlichen Ursachen von Kotwasser.

Allerdings kann eine genauere Analyse der Darmflora eine zusätzliche Hilfe bei der Suche nach dem Auslöser sein und eine entsprechend eingeleitete Therapie, welche die Darmflora wieder in ein besseres Gleichgewicht bringt, dem Problem Kotwasser weiter entgegenwirken.

Behandlungsansatz – Entwurmung

Auch Darmparasiten geraten heute vermehrt in Verdacht, an der Entstehung von Kotwasser beteiligt zu sein. Das wird auf die dabei durch die Parasiten ausgelösten Schäden der Darmschleimhaut und Darmwand zurückgeführt, welche diese bei Befall durch „Wurmbisse“ verursachen können. Vermutlich reagiert der Verdauungstrakt des Pferdes dadurch bedingt auf eventuelle Belastungen im Futter sowie Futterumstellungen in Form von Stress – und in Folge mit Kotwasser.

Selektive Entwurmungen sowie eine eventuelle Zwischenentwurmung können hier als Therapie Erfolge bringen. Ein durchgeführter zusätzlicher Wurmstatus bringt zudem weiterführende Klarheit.

Behandlungsansatz – Zähne kontrollieren

Wenn Pferde Zahnprobleme haben, zerkleinern sie die aufgenommene Nahrung teils nicht ausreichend – und speicheln diese unzureichend ein. Dies kann das Problem Kotwasser unterstützen. Deshalb bei Verdacht auf ein Zahnproblem nicht zögern, einen für die Zahngesundheit der Pferde zuständigen Facharzt zu Rate zu ziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.