KEHLKOPFPFEIFEN BEIM PFERD

Kehlkopfpfeifen beim Pferd

Kehlkopfpfeifen beim Pferd (lat. Hemiplegia laryngis) ist eine chronische Atemstörung. Sie ist bedingt durch eine krankhafte Beeinträchtigung der Funktion des Kehlkopfs. Diese Lähmung tritt bevorzugt am linken Stimmband auf.  Eine erbliche Anfälligkeit für diese Erkrankung ist bekannt. Ursachen können Missbildungen des Kehlkopfes, follikuläre Laryngitis und Pharyngitis, Tumoren, Zysten oder eine Dorsalverlagerung des weichen Gaumens sein.

Weitere Namen sind: Stimmbandlähmung, Kehlkopflähmung.

Ein Bezug mit Vergiftungen durch Blei, Arsen oder Pflanzen (z. B. Leguminosen) oder bakterielle Gifte wie z. B. Toxine von Streptococcus equi wird in Betracht gezogen.

Infektiöse Erkrankungen wie Druse, Luftsackmykosen, Brust- und Beschälseuche, Katarrh der Atemwege und Tumore sind weitere Vermutungen.

Das Kehlkopfpfeifen beim Pferd macht sich beim Einatmen unter Belastung durch einen charakteristischen Ton bemerkbar, der auch als „Tönen“ bezeichnet wird. Bevorzugt leiden eher männliche langhalsige Pferde an dieser Erkrankung. Bei mittelgroßen Pferden kommt sie seltener, bei Ponys und Kleinpferden fast nie vor. Bis zum 01.10.2020 wurde die Erkrankung „Kehlkopfpfeifen“ als Gewährsmangel gekennzeichnet.

Mögliche Ursachen von Kehlkopfpfeifen beim Pferd

Erfahrungsgemäß tritt die Erkrankung bei den betroffenen Pferden das erste Mal im Alter von ca. 3 Jahren in Erscheinung.

Der Kehlkopf (lat. Larynx) und die darin lokalisierten Stimmbänder des Pferdes sind, neben der Funktion der Stimmbildung, für die Regulation des ein- und ausströmenden Luftstromes zuständig. Beim Schlucken verhindert der Klappenmechanismus im Kehlkopf außerdem, dass Speichel oder Teile des Futters in die Atemwege eindringen. Hauptsächlich der Nervus laryngeus recurrens versorgt die Kehlkopfmuskulatur. Ist dieser geschädigt / degeneriert, kann sich der Kehlkopf nicht mehr vollständig öffnen und schließen. Der typische Pfeifton entsteht, wenn das gelähmte Stimmband beim Einatmen schlaff im Luftstrom flattert.

Dass große männliche Pferde eher am Kehlkopfpfeifen erkranken, hängt mit der besonderen Anatomie des Halses und der Lage des Nervus laryngeus zusammen. Dieser ist bei großen und langhalsigen Tieren einer größeren Dehnung und Zugkraft ausgesetzt, was zu einer Schädigung führen kann. Dadurch kann der Nerv die Muskeln des Kehlkopfes nicht mehr ausreichend innervieren, d. h. durch Nervenreiz zur Bewegung bringen. Die Folge: die Muskeln, welche den Kehlkopf geöffnet halten und beim Vorgang des Schluckens wieder verschließen, können diese Funktion nicht mehr ausüben – der Kehldeckel sinkt daraufhin zum Teil in den Kehlkopf hinein und führt zu einer Verringerung der hindurchströmenden Luft und somit einer Verengung der Atemwege.

Symptome von Kehlkopfpfeifen beim Pferd

Pfeifendes Geräusch: beim Einatmen unter Belastung kann man einen teils harten, klaren und röhrenden Ton hören, der teils auch als Pfeifen wahrgenommen wird.

Atemnot / eingeschränkte Belastbarkeit: die Atemnot kann zu einer erhöhten Atemfrequenz und einer bis zu 45 %igen Verringerung der Sauerstoffzufuhr führen. Dies vor allem in höheren Gangarten. Die körperliche Belastbarkeit ist demzufolge entsprechend herabgesetzt. In ruhigen Gangarten bekommt das Pferd in der Regel noch ausreichend Luft.

Panik: Durch die eingeschränkte Luftzufuhr können Tiere Stress bis zur Panik bekommen. Sie können bei Anforderungen unwillig werden bis zum Verweigern oder Durchgehen. Schweißausbrüche sind ein weiteres begleitendes Symptom.

Komplikationen: Durch den im Kehlkopf gegebenen erhöhten Unterdruck kann es schlimmstenfalls dazu kommen, dass der Kehlkopfknorpel beim Atmen angesaugt wird und dabei die Luftröhre verschließt. Dieser Zustand kann lebensbedrohlich sein.

Diagnostik

Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie): eine fachmännische Untersuchung durch eine Endoskopie des Kehlkopfes (Laryngoskopie) in Ruhe und Bewegung kann die Verdachtsdiagnose bestätigen. Dabei wird mittels eines Schlauches eine Kamera bis zum Kehlkopf eingeführt. Einige Kliniken bieten diese Untersuchung zur exakteren Diagnostik auf dem Laufband unter Belastung des Pferdes an.

Was kann ich tun?

Wie mit dieser Erkrankung umgegangen wird, hängt vom Besitzer und natürlich vom Zustand des Tieres ab.

Naturheilmittel wie Homöopathie, Bachblüten, Akupressur, Akupunktur, Magnetfeldtherapie oder Bioresonanztherapie können zur Verbesserung oder Wiederherstellung des Zustandes in Betracht gezogen werden.

Kehlkopfpfeiferoperation – Laryngoplastik nach Marks: ist eine bekannte und bei dieser Erkrankung oftmals erfolgreich durchgeführte Operation mit der Einbringung einer sog. Laryngoplastik. Hierbei ersetzt der Operateur den gelähmten Muskel des Kehlkopfes durch eine feste Prothese. Das Ergebnis: der Kehlkopf wird auf der früher gelähmten Seite nun dauerhaft offen gehalten. Diese Operation wird gewöhnlich am liegenden Pferd vorgenommen. Inzwischen bieten einige Kliniken weltweit diese Operation auch im Stehen an, was das Narkoserisiko beim betroffenen Tier erheblich reduziert. In Deutschland wird sie auch praktiziert.

Nerv-Transplantationsoperation (mikrochirurgische Operation): sie erweist sich als sehr hoffnungsvolle und zukunftsträchtige Operation bei dieser Erkrankung. Sie wird in Vollnarkose am halbseitig liegenden Pferd durchgeführt, wobei ihm ein „neuer“ Nerv in den gelähmten Kehlkopfmuskel transplantiert (eingesetzt) wird.

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